Evangelisches Dekanat Weilburg

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Klinikseelsorge zu Himmelfahrt

GOTTESDIENST

Klinikseelsorge Evangelisches Dekanat Weilburg

Himmelfahrt 2012

Predigttext = Wochenspruch Joh 12,32

Psalm = 47 / EG 726

Lesung = Joh 12,32-36

Lieder = EG 165/123/472

ORGELVOSPIEL

BEGRÜSSUNG + VOTUM

 Ich begrüße Sie zum Himmelfahrtsgottesdienst – hier in der Klinikkapelle und in den Zimmern, soweit Sie sich zugeschaltet haben.

Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen:

Ulrich Reichard, verheiratet, Kinder – und Hund. Dekan und seit 01.Mai auch zuständig für die Klinikseelsorge im Evangelischen Dekanat Weilburg.

Die ist also mein erster Gottesdienst als für Sie zuständiger Evangelischer Klinikseelsorger. Wir wollen ihn gemeinsam feiern

 im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 1.LIED: EG 165,1-

EINGANGSSPRUCH (Psalm 47 / EG 726)

  Gemeinsam beten wir: …

 SÜNDENBKENNTNIS / ZUSPRUCH / GEBET

 „Ich muss zugeben, Herr Jesus, dass ich das mit der Himmelfahrt nicht richtig verstehe. Die Astronauten haben nichts von dir gesehen. Also muss der Himmel woanders sein. Aber ganz egal, wo du jetzt bist, du kannst alles sehen und kannst allen helfen. Es kann auch nicht weit weg sein, denn du hörst mich, wenn ich bete. Ich freue mich so, dass ich dich kenne, auch wenn dich niemand sehen kann.“

 Wir wollen es halten, wie dieses Kind im Gebet: Auch wenn wir Gott in diesem Moment nicht sehen, wollen wir doch mit ihm rechnen. Wir wollen in diesem Gottesdienst der Gemeinschaft mit ihm und untereinander ein wenig nachgehen/-spüren. Wir wollen miteinander reden, singen und beten – nicht unter freiem Himmel, wie am heutigen Tag in vielen Landgemeinden, aber doch unter seinem Himmel, der uns alle umfängt, egal wo wir sind.

 Unsere Gebete steigen auf zu dir, Gott,
nimm an, was wir nicht ändern können,
womit wir aus eigener Kraft nicht fertig werden,
was wir nicht mehr ertragen,
womit wir uns nicht mehr belasten wollen.

Nimm du es an und wandle es.
Schenk uns dein Erbarmen,
tröste uns und mach uns stark und frei.

  Dies bitten wir

Durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 LESUNG (Joh 12,32-36)

 GLAUBENSBEKENNTNIS

 2.LIED: EG 123,1-3

 P R E D I G T

 Liebe Gottesdienstgemeinde hier im Klinikum Weilburg, hier in der Kapelle und in den Zimmern,

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen (Joh 12,32).

Diese Worte haben die Jünger Jesu damals ziemlich verwirrt: Was soll das? Jesus spricht von seinem Tod – und lebt doch noch? Er spricht davon „erhöht“ zu werden; dabei wissen wir doch alle, dass wir am Ende eher erniedrigt bzw. „nach unten“ in die Erde gelegt werden.

Himmel und Erde, das Leben bei Gott und das Leben hier auf der Erde - sie sind sooo verschieden, das sie kein Mensch zusammen denken kann. Und dennoch: Wenn wir uns im Krankenhaus aufhalten müssen, fragen wir zuweilen nach dem „Himmel“ - und nach „Gott“: Gibt es ihn wirklich? Gibt es so etwas wie einen „Himmel“ – jenseits der Flugzeugruten, jenseits unseres Sonnensystems, jenseits aller Galaxien? Lebt Gott wirklich oder lebt er nur in der Phantasie von uns Menschen? Kann er wirklich helfen oder ist er nur eine „Hilfskonstruktion“, mit der man uns nur – schon seit Kindertagen - trösten und ablenken will?

„Ich muss zugeben, Herr Jesus, dass ich das mit der Himmelfahrt nicht richtig verstehe. Die Astronauten haben nichts von dir gesehen. Also muss der Himmel woanders sein.“ So hat das Kind im Gebet seinen Glauben und zugleich auch seinen Glaubenszweifel ausgedrückt, beides in einem Satz!

Zweifeln ist erlaubt! Mein Glaube lebt vom Zweifel! Ja, Sie haben richtig gehört: Mein Glaube lebt vom Zweifel. Wer an nichts und niemandem zweifelt, der glaubt auch an nichts und niemanden – auch nicht an den Arzt und seine Möglichkeiten und nicht an die Hilfe, die ein Krankenhausaufenthalt bringen kann.

Auch ich kann Ihnen nicht sagen, ob es diesen Himmel Gottes gibt; aber ich wünsche ihn mir - und ich versuche zuweilen, ihn mir in allen möglichen Farben vorzustellen.

Wozu? Mir hilft es! Es hilft mir, in bunten blühenden Farben an den morgigen Tag zu denken, wenn der heutige nur schwarz und voller Nebelschwaden bzw. voller trüber Gedanken ist.

Manchmal reicht schon eine Farbe – und es geht mir besser, ich kann wieder lachen, ich habe etwas von Gott - ich könnte auch sagen: von meinem Glauben - wiedergefunden. Gott zeigt sich nicht immer in seiner Buntheit und Vielfalt; er ist manchmal nur ein Atem, ein gutes Wort oder eine hilfreiche Geste.

Dazu folgende Geschichte mit dem Titel „Mittagessen mit Gott“:

Es war einmal ein kleiner Junge, der unbedingt Gott treffen wollte. Er was sich darüber bewusst, dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott lebte, ein sehr langer war. Also packte er sich einen Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren Schokoladenriegeln und machte sich auf die Reise.

Er lief eine ganze Weile und kam in einen Park. Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach Futter auf dem Boden suchten. Der kleine Junge setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola herausholen, als er den hungrigen Blick der alten Frau sah. Also griff er zu einem Schokoriegel und reichte ihn der Frau.
Dankbar nahm sie die Süßigkeit und lächelte ihn an. Und es war ein wundervolles Lächeln! Der kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und bot ihr auch eine Cola an. Und sie nahm die Cola und lächelte wieder - noch strahlender als zuvor. Der kleine Junge war selig.

Die beiden saßen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank im Park, aßen Schokoriegel und tranken Cola - aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde er war und er beschloss, zurück nach Hause zu gehen. Nach einigen Schritten hielt er inne und drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und umarmte sie. 
Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.
Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem Gesicht und fragte: "Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?" 
Und der kleine Junge antwortete: "Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen - und sie hat ein wundevolles Lächeln!"
Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussieht. Und sie antwortete: "Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen - und er ist viel jünger, als ich gedacht habe."

Der Himmel ist uns allen oft viiiel näher, als wir denken! Und es sind sehr oft die kleinen Gesten des Alltags – auch eines Klinikalltags – die uns Gott nahe oder auch den Himmel näher bringen, die uns helfen und in einem guten Sinne verändern, so sehr, dass dies anderen Menschen auffällt, und dass es sie ansteckt. - Ja, der Himmel steckt an! Ich muss nicht und kann den Himmel tatsächlich nicht verstehen; ich kann ihn nur „leben“. Beide, der Junge und die Alte Frau gehen nach hause und leben dort ihre Erfahrung von Nähe, von Berührung und von Gemeinschaft. Sooo haben sie beide etwas von Gott gefunden: im jeweils anderen, dort, wo sie gerade sind!

 „Die Astronauten haben nichts von dir gesehen. Also muss der Himmel woanders sein.“ Sagt unser kleiner Beter - er hat Recht: Der Himmel – oder auch Gott - ist dort, wo wir ihm einen Raum geben, in dem er für uns und wir füreinander da sein können.

So ist Gott nie jenseits, sondern immer diesseits, nicht hinter den Galaxien, sondern in ihnen. Gott ist nie weit weg von Dir und mir, sondern immer in unserer Nähe, auch hier und jetzt, wo wir diesen Gottesdienst feiern – und wo Sie als Patienten und Patientinnen mit ihren Gedanken und mit ihrem Genesungsprozess ringen.

„Glaubt an das Licht“, sagt Jesus, „auf dass ihr des Lichtes Kinder seid.“

Der Glaube an Gottes Gegenwart verleiht Ausdauer. Ausdauer wird damals von den Jüngern verlangt; sie wird heute auch von uns erwartet. Und sie lohnt sich; denn mit ihr wird aus dem Dunkel Licht.

Ich wünsche Ihnen dieses „Licht“ und seine Wärme und Kraft. AMEN!

3.LIED: EG 472,1-3

FÜRBITTEN + VATERUNSER

     Gott,

         wir haben unsere Anfragen und Zweifel –

mit ihnen kommen wir zu Dir und bitten:

Schenke Heilung und Stabilität.

         Lass uns Dir vertrauen –

und den Menschen, die sich um uns sorgen und bemühen: Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, unsere Familien u.v.a.m.

Wir haben nicht den Himmel auf Erden,

aber wir suchen etwas von ihm zu entdecken.

Lass uns Menschen finden, die unser Ängste würdigen, unsere Krankheiten erkennen und behandeln können.

Patientinnen und Patienten sowie alle, die in diesem Haus arbeiten und durch seine Tore ein- und ausgehen, befehlen wir Dir an; für sie und uns bitten wir, wie Du uns in Jesus Christus zu bitten gelehrt hast:

 

Vater unser im Himmel, … AMEN!

 SEGEN

 Gott heile deine Wunden und stärke deinen Glauben.
Gott mache deine Seele heil und tröste dich.
Gott geleite dich auf deinem Weg ins Leben.
So segne und behüte dich der allmächtige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! AMEN

 ORGELNACHSPIEL

 

 

 

Jubiläumsgottesdienst 14.08.2011

Ökumenischer Gottesdienst zum 100jährigen Jubiläum des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg (sowie zum 10jährigen Bestehen des Museumsvereins) am 14.08.2011 in Weilburg  

1.1.


Sehr geehrte Festgäste,

Liebe Gottesdienstgemeinde,

Als ich vom Museumsleiter Herrn Wienand angefragt worden bin, den heutigen Festgottesdienst zu begleiten, habe ich gerne zugesagt. Denn Anfragen dieser Art sind selten; häufiger sind Anfragen zu Kirchen- oder kirchlichen Jubiläen. Doch wie dem auch sei, jedes Jubiläum ist es im Grunde wert, dass wir einen Moment innehalten, zurückblicken und damit das Geschehene würdigen.

Heute würdigen wir das 100jährige Bestehens des Weilburger Bergbau- und Stadtmuseums sowie das 10jährige Bestehen des Weilburger Museumsvereins. Beiden Jubilaren gelten die Gedanken meiner Predigt, wenngleich ich einen Schwerpunkt auf das ältere Bergbau- und Stadtmuseum und den Bergbau als solchen lege.

1.2.

In beiden Jubiläen geht es um „Museen“. Museen beinhalten wichtige „Bausteine der Geschichte“. Der Deutsche Museumsbund führt aus: „Mit dem Begriff

"Museum" wurden im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Dingen bezeichnet …!

Es geht auch in unseren Museen um viele Dinge bzw. Exponate, doch nicht nur um sie; es geht auch um „Lebendiges“, „lebendige Bausteine“ einer uns alle irgendwie tangierenden Geschichte. Es geht nicht nur um Dinge, sondern um Menschen, die an der ausgestellten Geschichte z.B. des Bergbaus in unserer Region oder anderen Bereichen einmal mehr und einmal weniger Anteil haben.

Die festliche Kleidung, die die Bergleute für den heutigen Tag angelegt, ist ein äußeres Zeichen für ihren Berufsstand. Sie ist geprägt durch besondere Teile, von denen jedes für sich gesehen schon eine lebendige Geschichte ganz eigener Prägung darstellt.

In der Kleidung, aber auch in Ihren Erzählungen, in die ich vor einigen Wochen als Gast in Ihrer Mitte hineinhören durfte, spiegelt sich eine bewegte, auch persönlich-emotionale und bis heute spannungsvolle Bergbaugeschichte wider.

Bis vor wenigen Jahre habe ich nur den Tagebau und ein paar geologische Hintergrundinformationen sowie die Steinbrüche des hessischen Hinterlandes gekannt, in denen mein Vater bis Anfang der 70iger Jahre als Steinhauer tätig gewesen ist. Vor etwa 1 ½ Jahren bin ich erstmals unter Tage gewesen, beim Besuch der Grube Neuhof von Kali und Salz in der Nähe von Bad Hersfeld in etwa 800 Metern Tiefe.

-3-

Die Stunden unter Tage, der Kontakt mit Bergleuten und der Einblick in ihre Arbeitswelt haben mich tief beeindruckt. Und ist es auch noch beim Anlegen der Bergmannskleidung vor der Einfahrt recht lustig zugegangen sein, so hat mich bei der Einfahrt mit dem Förderkorb nach unten ein flaues/ohnmächtiges Gefühl beschlichen. Das folgende „Anfahrtsgebet“ der Bergleute erinnert mich an diese erste Fahrt in die dunkle Tiefe:

 

Wir richten, eh` wir niederfahren,

den Blick zu Dir, o Gott, empor.

O wollst uns Herr getreu bewahren,

lass wiederkehren uns nach hier.

Schließ auf den Stollen deiner Liebe,

den finstren Schacht, in dem wir baun,

schirm uns vor Ort und im Betriebe,

lass fromm und treu uns Dir vertraun.

Herr segne Streben, Schacht und Stollen,

bewahre uns vor Flut und Brand.

 

2.1.

Das Gebet spricht es deutlich aus: Wir hängen an Gottes SEGEN!

SEGEN kann sich unterschiedlich äußern. Wenn wir auf die heutigen Jubiläen schauen, zeigt er sich z.B. in der Vielzahl von Exponaten, die uns Geschichte greifbar und sichtbar werden lassen, die lebendige

Erinnerungen wecken, die uns Entwicklungen – wie die der Stadt und des Bergbaus in der Region – auch verstehen helfen, die uns mit der Arbeit und dem Broterwerb der Generationen vor uns verbinden und uns den Boden bzw. den Grund zeigen, auf dem wir heute stehen.

SEGEN zeigt sich z.B. auch in den Menschen, die einst Verantwortung übernommen und sich haupt- und vielfach ehrenamtlich engagiert haben beim „Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln“ von Geschichte und Tradition.

Dass es landauf landab „die Vereine“ gibt, die durch ihr vielfältiges Handeln Verantwortung übernehmen, ist auch ein SEGEN. Denn ohne sie wäre Vieles in Gesellschaft und Kirche schon lange nicht mehr möglich. Wir alle können zum SEGEN werden.

 

2.2.

SEGEN kommt von Gott; wo er geschieht, loben wir Gott! Die jahrzehntelange Zusammenstellung von unzähligen Exponaten, Bildern und Geräten, die wir anschauen, anfassen, sogar hören und im Stollen des Bergbau- und Stadtmuseums auch noch in Aktion erleben können, ist eine Geschichte der Menschen dieser Stadt und Region mit ihrem Gott, ist Teil einer Entwicklungsgeschichte mit Gott. Sie zeigt: Nichts bleibt wie es ist. Auch unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen bleiben nicht stehen, sondern

verändern und entwickeln sich. Selbst „Überholtes“ kann (z.B. in Museen) einem neuen Sinn zugeführt werden, auch der in vielen Bereichen schon lange stillgelegte Bergbau in unserer Region: Im Bergbau- und Stadtmuseums kann dieser einst so wichtige Erwerbsbereich jungen Menschen nahegebracht und ihnen damit auch gezeigt werden, dass nicht immer alles so einfach und behütet gewesen ist wie heute, dass es für Menschen gerade in dunklen Zeiten und Stollen wichtig sein kann, ihren Alltag über bestimmte Ordnungen, Regeln, Funktionen und auch Kleidungsstücke, sichtbar und sicher zu gestalten, aufeinander Rücksicht zu nehmen, einander auch im Dunkeln zu vertrauen, einander wert zu schätzen und zu würdigen.

Würdigen wir heute die jahrzehntelange Arbeit des Bergbau- und Stadtmuseums und die des jüngeren Museumsvereins, so würdigen wir die an ihrer Geschichte beteiligten Menschen und Gott, der dies alles ermöglicht hat.

 

2.3.

Im 1.Buch Moses Kapitel 28 heißt es in Vers 1a: „Und Gott segnete sie (die Menschen) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan …“

Mit dem, was die Erde uns gibt, achtsam umgehen – so ist dieses „untertan machen“ zu verstehen – ist

uns nicht angeboren. So ist auch die Geschichte des Bergbaus weltweit und bis in unsere heutige Zeit hinein vielfach mit einem gewissen „Raubbau“ an den natürlichen Gütern dieser Erde verbunden, wie z.B. in den letzten Jahren Grubenunglücke weltweit gezeigt haben.

„Achtsamkeit“ bedeutet eine hohe Verantwortung; an ihr tragen wir alle mit - in besonderer Weise auch ein gut ausgestattetes Bergbau- und Stadtmuseum.

Wo diese Verantwortung gelingt, geschieht SEGEN.

So blicken wird heute dankbar Tag zurück auf eine segensreiche 100jährige Geschichte des Bergbau- und Stadtmuseums sowie die 10jährige Geschichte des Museumsvereins. Wir blicken zurück auf den SEGEN, der uns Gott sei Dank immer noch in den Schätzen dieser Erde begegnet, die wir unter oder über Tage heben und nutzen dürfen. Wir blicken auf einen SEGEN an Wissen, der in den Museen und ihrer Tätigkeit festgehalten wird und uns lehrt, wo unsere Möglichkeiten, aber auch unsere Grenzen liegen.

Gott sei Dank für diese Geschichte, für das Wissen und das Können. Gott begleite unser beiden „Jubilare“ und uns alle auch in Zukunft und schenke uns noch einen schönen festlichen Tag. AMEN

 

 

 

Predigt Dekan Reichard

1.1.

Liebe Gemeinde!

Über den heutigen Predigttext ist in der christlichen Literatur schon viel geschrieben worden – vielleicht auch zu viel! Zu viel des Guten kann den tieferen Sinn einer Erzählung verdecken. Ich sehe nur noch, was ich sehen will und nicht mehr das, was Jesus gesehen hat!

So hat z.B. den Einen diese Erzählung als Hinweise für die Rolle der Frau in der christlichen Gemeinde gedient; und sie haben die Frage diskutiert: Soll sich die Frau verhalten wie die besorgte Hausfrau Martha, die beim Besuch ihres Herrn alles tut, dass es ihm an nichts fehlt? Oder soll sich die Frau verhalten wie die demutsvolle und in Jesu Augen vorbildliche Jüngerin Maria, die sich beim Besuch ihres Herrn zu seinen Füßen setzt, ihm zuhört und dabei in Kauf nimmt, die hausfraulichen Pflichten zu vernachlässigen? Oder anders gefragt: Gehört die Frau an den Herd - auch sonntagmorgens - oder gehört sie gleichberechtigt neben den Mann, und damit auch am sonntagmorgensals Zuhörerin oder Pfarrerin in den Gottesdienst?

Andere Ausleger hat die Frage beschäftigt: Welche von beiden Frauen ist Jesus sympathischer; zu welcher hat er vielleicht sogar ein „Liebesverhältnis“?

Wiederum andere haben überlegt, welche von beiden wohl den „besseren Teil“ (beim Besuch Jesu) gewählt hat bzw. welche sich ihm gegenüber vernünftiger, normaler oder richtig verhält, welche vielleicht sogar die bessere Christin ist?

1.2.

Viele halten den Text für eine „Frauengeschichte“! Ich sehe das anders; denn in dieser Geschichte geht es um mehr! – Es geht um mehr als nur um die Rolle der Frau in einer christlichen Gemeinde und einer damals jedenfalls überwiegend von Männern „beherrschten“ Welt. Es geht um mehr als um eine Liebebeziehung oder Jesu Beziehung zum weiblichen Geschlecht. Es geht um die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit! Es geht um die Entscheidung, ob wir Jesus noch zuhören, wenn er mit seinem Wort unter uns ist, oder ob wir uns mit betriebsamer Hektik entschuldigen, wie in der übrigen Woche! Diese Entscheidung müssen Frauen und Männer, wir alle hier, gleichermaßen und immer wieder neu treffen! Der Text bzw. Jesus selbst möchte uns bei dieser Entscheidung helfen! Schauen wir also noch einmal genauer in den Text und auf die Personen und ihre Beziehungen zueinander:

2.1.

Die Schwestern Maria und Martha. Sie sind gewiss so unterschiedlich wie Geschwister nur sein können: Die eine älter, die andere jünger. Die eine konservativ, die andere modern. Die eine besessen von häuslicher Pflichterfüllung und Fleiß, die andere eher „faul“ oder vielleicht auch nur „etwas behäbig“. Die eine mit dem Blick für das, was gegenwärtig dran ist, die andere mit einem Blick, der von einer besseren Zukunft träumt – vielleicht auch von einer mit Jesus!

Martha hat Jesus eingeladen! Dass eine Frau einen Mann zu sich einlädt, ist unter den Bedingungen der damaligen Zeit nicht üblich und kann sehr leicht missverstanden werden! Unüblich und fremd ist auch, das sich ein „Rabbi“, ein jüdischer Lehrer wie Jesus, von Frauen oder seinen Schülern einladen lässt: Maria „sitzt Jesus zu Füßen“ wie ein/e Schüler/in!

Die Schwestern sind unverheiratet; von einem Mann wird nichts erwähnt. Und Jesus spricht mit den Frauen wie der fromme Jude sonst nur mit Männern zu redet pflegt: Er legt ihnen die Thora aus, gibt ihnen einen Einblick in seinen persönlichen Glauben an Gott. Es geht also tatsächlich nicht um „Frauengeschichten“!

Während Maria ihrem Gast zu Füßen sitzt, bedient ihn Martha. Gastfreundlichkeit ist für Maria oberstes Gebot; so hat sie es von ihren Eltern gelernt. Denn der Gast ist König; dem Gast dient man. Natürlich hört man ihm auch zu. Aber das erst an zweiter Stelle! Außerdem hat in der orientalischen Welt bis heute die Frau das Sagen im Zelt/Haus – nur draußen geht sie ihrem Mann hinterher! Es ist also ihre ureigenste Aufgabe und ihr Vorrecht, dem Gast zu dienen, während andere bzw. die Männer ihm Gesellschaft leisten.

Maria sieht das möglicherweise anders - sehr zum Ärger ihrer Schwester! Sie bricht damit aus der ihr zugewiesenen Rolle aus! Sie probiert etwas Neues. Sie zeigt Neugierde, anstatt Zurückhaltung. Sie entzieht sich dem üblichen gesellschaftlich-religiösen Rahmen und riskiert damit einen Streit mit ihrer Schwester. 

 

2.2.

Man hört es förmlich knistern – sicher nicht das erste Mal! So verschieden wie die Schwestern sind, wird es häufiger zu Auseinandersetzungen gekommen sein! - und Jesus gerät nun mitten in sie hinein! Er spürt die Spannung, nimmt aber dennoch die Einladung und Gastfreundschaft der beiden an und erfüllt so die an ihn gestellten Erwartungen. Sicher, beide sind sehr interessiert an ihm; sie entscheiden sich aber jeweils anders!

Mit Liebe hat das nichts zu tun! Das zeigt auch die Frage, mit der sich Martha – nicht an ihre Schwester, sondern - an Jesus wendet: „Herr, fragst Du nicht danach, dass mich meine Schwester alleine dienen lässt? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Jesu Antwort enttäuscht Martha; denn zu allem Ärger

mit ihrer Schwester kommt nun auch noch hinzu, dass Jesus das Verhalten von Maria „gut“ heißt – „Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!“ - und das von Martha „schlecht“ bewertet. Was aber soll „schlecht“ daran sein, wenn ich zuerst meine Arbeit erledige und dann mein Vergnügen habe bzw. mich zu Jesus setze?!

3.1.

Eine spannende Frage – bis heute! Jesus gibt selbst die Antwort; und um diese Antwort geht es in unserem Text. Sie ist „des Pudels Kern“, die Mitte, um die sich hier alles dreht. Denn das Eine, worauf es ankommt, ist: auf Jesus hören - wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet! Wenn Jesus im Haus ist, müssen andere Dinge hinten anstehen – sofern es sich natürlich nicht gerade um lebenserhaltende Maßnahmen handelt, die keinen Aufschub dulden! Für die Hausarbeit trifft das zu! Ein Wäschestapel, eine bratfertige Gans oder auch der Familienausflug können warten! Das Hemd und die bratfertige Gans laufen nicht (mehr) weg!

So sagt Jesus wenig später zu seinen Jüngern:  „Wer ist größer: der bei Tisch sitzt oder der dient? Doch wohl der bei Tisch sitzt.“ Und Jesus fährt fort: „Ich aber bin unter euch wie der Dienende.“ (Lk 22,27)

Liebe Gemeinde! Jesus ist nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um uns zu dienen! Maria scheint dies verstanden zu haben! Natürlich hat

all unser Mühen und Sorgen, für das Martha hier steht, seine Berechtigung, und ist es wichtig, dass wir einander und Gott Dienen, Gastfreundschaft üben, füreinander da sind und füreinander sorgen. Aber all unser „Mühen und Sorgen und Dienen“ muss im richtigen Verhältnis zum Hören auf Gottes Wort stehen. Denn wir leben als Christinnen und Christen von diesem Wort und dem Hören!

Maria hat sich entschieden: sie stellt das Hören voran! Denn sie kann Jesus nicht zuhören und gleichzeitig hin und herlaufen und in der Küche die Suppe abschmecken. Was sie gerade jetzt braucht, ist sein Wort, sind seine Antworten auf ihre Fragen, ist sein Trost und ist seine Kraft!

 

3.2.

Die Reihenfolge unseres Handelns ist entscheidend!

So geht Mosche schon seit acht Tagen regelmäßig in die Synagoge zum Beten. Tag für Tag spricht er dort mit der gleichen Innbrunst die Worte: „Großer und Allmächtiger, lass mich in der Lotterie gewinnen, bitte, lass mich gewinnen!“ Als er am neunten Tag in die Synagoge kommt, spürt er, wie eine Wolke über ihm schwebt. Aus ihr ertönt laut und vernehmlich eine

Stimme, die sagt: „Mosche, gib mir eine Chance, kauf endlich ein Los!“ AMEN!

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Samstag, 26. Mai 2018
HERR, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!
Gebt acht: dass die Freiheit nicht zu einem Vorwand für die Selbstsucht werde, sondern dient einander in der Liebe!

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